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Sebalder Ökotipp St. Sebald

Rechenfehler

Sebalder Ökotipp: Die Klimaerwärmung schreitet fort, die Wüsten der Erde breiten sich aus: um die Fläche von 30 Fußballfeldern pro Minute.
Klar, der Kohlendioxid (CO2)-Ausstoß muss schnell und drastisch vermindert werden. Aber wie?


Als wesentliche Maßnahme, wirkungsvoll und doch nicht zu schmerzhaft für den Autofahrer, galt die Beimischung von Biokraftstoffen zu Benzin und Dieselöl. Der Grundgedanke ist einleuchtend: Bei der Verbrennung von Mais, Getreide, Zuckerrüben, Zuckerrohr oder Ölpflanzen wird nur das CO2 freigesetzt, das die Pflanzen während ihres Wachstums der Luft entnommen haben. Also eine klimaneutrale Schadstoffbilanz!

Aber schon während die ersten Subventionen für Energiepflanzen flossen, sich allenthalben riesige Mais- und Rapsfelder ausbreiteten, kamen Zweifel an der Nachhaltigkeit dieser Art von Energiegewinnung auf: Zum Anbau sind neben großen Mengen Wasser Kunstdünger, Pestizide und zur Aufarbeitung wieder Energie nötig: 80 Prozent fossile für 100 Prozent Bioenergie! Die größte deutsche Ethanolfabrik etwa arbeitet mit Braunkohle (in Zeitz). 13 Prozent unserer Treibhausgase stammen aus der industriellen Landwirtschaft. Dem sehr geringen Nutzen stehen erhebliche Schäden gegenüber: Die Äcker können nur wenige Jahre so intensiv genutzt werden, dann sind die Böden ausgelaugt. Katastrophal wirken die Rodungen von Regen- und besonders von Torfwäldern, etwa auf Sumatra, wo aus bis zu acht Metern Tiefe Unmengen eingelagertes CO2 und das noch vielfach schädlichere Lachgas freigesetzt werden. Dass das die Klimakatastrophe beträchtlich fördert, wird von den prächtig verdienenden Konzernen ebenso hingenommen wie das Elend der vertriebenen Kleinbauern.
Bis 2020 will die EU zehn Prozent Biosprit in die Kraftstoffe mischen lassen. Dazu bräuchte man rund 20 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche Deutschlands! Wir können uns die fehlenden Lebensmittel ja auf dem Weltmarkt kaufen. Für die Ärmsten, die Hungernden, werden sie immer unerschwinglicher. Die Preise steigen.

Dennoch nennt das zuständige Bundesministerium in einer 2011 wieder aufgelegten Broschüre „Gute Gründe für mehr Bio im Benzin“, die Schonung der Erdölressourcen, Dämpfung des Preisauftriebs für Benzin ... und Klimaschutz!

All diese Berechnungen kann man jetzt vergessen, denn das Wissenschaftliche Komitee der Europäischen Umweltagentur hat in einem Gutachten zum „Treibhauseffekt“ im letzten September nachgewiesen, dass die Klimagasbilanz von Spritpflanzen einen gravierenden Rechenfehler aufweist. Der Verbrauch von Biomasse ist eben nicht CO2-neutral: Auf den verwendeten Flächen wuchsen ja zuvor auch Pflanzen, möglicherweise waren es sogar Wiesen, die besonders viel CO2 binden und es „einlagern“, also nicht wieder abgeben! Deren Wirkung fehlt nun in der Gesamtbilanz. Deshalb nennt das Umweltinstitut München „Bioenergie (außer wenn sie aus organischen Reststoffen stammt) eine humanitäre Katastrophe und klima- und umweltpolitisch kontraproduktiv“ (UI am 9.11.2011).

Darum: Felder für Brot!
Autos öfters stehen lassen!
Kein Palmöl für Heizungen!

Unterstützen Sie die „Kampagne gegen Agrosprit“ und die Unterschriftenaktion „Nein zur Biosprit-Lüge“ des Umweltinstituts München (www.Umweltinstitut.org).


(Text: Annemarie Hagen, Bild: imagedirekt.de/eppic)

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